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Der Jazz, der Motor des Unternehmens Marciac

La Dépêche du Midi

Bericht (übersetzt) aus der Dépêche du Midi vom 03.08.2001

Ein Hauptstandort [site majeur] in Midi-Pyrénées

Mehr als 5.000 Personen werden sich heute abend in Marciac drängeln, um den Pianisten Keith Jarrett zu hören. 5.000 Fans, die beim Kauf ihrer Eintrittskarte die Bedingungen eines Musikers akzeptiert haben, dessen legendäre Anforderungen für wirklichen Hörgenuß bürgen. Genaugenommen hat ein Genie halt keinen Preis.

Die musikalische Begeisterung, die dieses Festival während der ersten Augusthälfe auslöst, braucht nicht den beispielhaften Erfolg verstecken, der ein unbekanntes Dorf in einen "Hauptstandort" umgewandelt hat. Muß man über die Paradoxe des Unternehmens Jazz in Marciac sprechen? Wie ein Kulturverein, Typ Gesetz 1901, gegründet auf Freiwilligkeit, in 23 Jahren zum wirtschaftliche Aufschwung eines Landdörfchens und seiner Region beitrug?

Foto aus Dépêche du Midi Um ein Festival zu organisieren, das 50.000 zahlende Gäste und 150.000 Besucher zählt, setzt das Unternehmen JIM zwei Ganztagssekretäre ein, und zwei junge Zeitarbeitskräfte. 2001 beteiligen sich 700 "Saisonarbeiter", alles Freiwillige. Deshalb kann das Budget von 12 Millionen Francs vorwiegend für die Qualität der Veranstaltungen verwendet werden. Man weiß, daß das Festival sich zu 65 % selbst finanziert; die Sponsorengelder betragen 22 %, die öffentlichen Subventionen liefern den Rest.

Gründerpark für Unternehmen
Bleibe für den Tourismus

Am 4. Juli 1997 wurde die "Hauptstandort"-Übereinkunft von Marciac und vom Marciacer Landkreis unterzeichnet. Sie beteiligt sich am Staat-Regionen-Vertrag: dabei geht darum die Attraktivität von Midi-Pyrénées an Image-starken Standorten zu steigern (Conques, Albi, Gavarnie...). Marciac gehört auf die Liste dieser Orte, die eine internationale Kundschaft anziehen. Die Übereinkunft wird ihm erlauben, seine Infrastruktur und Annehmlichkeiten für Empfang von Touristen zu entwickeln.

Seit der Unterzeichnung hat man sich um die Restaurierung des Stadtkerns gekümmert: Fassaden und Dächer wurden erneuert. Gleichzeitig wurde das Dorf und seine Umgebung auf den Stand (Sanitäranlagen, Fußgängerpfad) gebracht, um 15 bis 20.000 Festivalbesucher/Tag zu empfangen.

Das Tourismusbüro wird zum Dreh- und Angelpunkt.

Vier Jahre später ist alles erledigt. Zwei große wirtschaftliche Projekte werden gerade entwickelt. Die touristische Entwicklung des Sees soll am Jahresende starten. Im nächsten Sommer werden die ersten Drei-Sterne-Unterkünfte entstehen, von Pierre und Vacances. 350 Betten, ein Spielbad für alle, umweltfreundlich.

In der Stadt wird die Industriebrache von Lasserre demnächst eine Baumschule beherbergen und einen Gründerpark für Berufe, die mit der Musik zu tun haben (Verlage, Instrumentenbau...). "Design und Harmony", die Geigen bauen, sind bereits in Marciac.

Ein Musikcafe und ein auf die Ausbildung Jugendlicher spezialisierter öffentlicher Fortbildungsträger befinden sich bereits in den Startlöchern.

Keiner zählt die neuen Arbeitsplätze, aber jeder reibt sich die Hände. 

B. F-R.

Musik verdoppelt die Schüleranzahl im Collège [Oberstufe des Gymnasiums]

In einem Landkanton mit abnehmender Bewohneranzahl gelegen, war die Schließung des Collège in Marciac für das Jahr 2000 vorgesehen. Indem man dort im Jahre 1993 Einführungsklassen in den Jazz von der 6. Klasse an einrichtete, ermöglichte das nationale Erziehungssystem eine zweite Chance. Die Schüleranzahl stieg von 95 im Jahre 1992 auf heute 198. Auch die Lehreranzahl nahm zu. Man mußte ein Internat bauen. Das Collège besitzt eine Aula und eine beeindruckende Instrumentensammlung, darunter einen Stainway-Flügel. Während der Ferien finden im Musik-Teil des Collège Jazzpraktika und Meisterklasssen statt.

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siehe auch Jazz in Marciac

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Letzte Änderung: 28.08.2001